Rio – Tour durch die Favela „Rocinha“

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Montag, 10.Okt. um 21 Uhr: Wir wollten nicht schon wieder auf eine Touritour reinfallen und wurden nach längerer Recherche im Internet auf die Seite www.favelatour.org von Zezinho aufmerksam. Da er geschrieben hat, dass er jederzeit und überwiegend abends erreichbar ist, haben wir spontan unser Glück versucht und angerufen…

Nach kurzem Telefonat mit Zezinho stand fest: wir machen am Folgetag um 10 Uhr eine Favela-Tour durch Rocinha. Eine der größten Favelas Rio de Janeiros. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten – Carlos, unser Guide, war eigentlich gerade (also am Montag) mit seinen Kumpels unterwegs, hat es sich aber nicht nehmen lassen den Abend früher zu beenden um uns sein Viertel zu zeigen.

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Getroffen haben wir uns an einem der insgesamt (nur) zwei Ein- bzw. Ausgänge von Rocinha, um mit dem einheimischen Kleinbus zunächst oberhalb in die Favela zu fahren. „Warum da noch auf den Zuckerhut zu all den Touris fahren?“, haben wir uns bei dem Ausblick gefragt.

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Jedenfalls oben angekommen hat uns Carlos erzählt, was es heißt in einer Favela zu leben. Er ist dort, ebenso wie Zezinho, aufgewachsen und kennt jeden Winkel. Den muss man auch kennen…als Fremder hat man sonst quasi keine Chance wieder aus Rocinha rauszukommen. Aber nicht was die meisten vielleicht jetzt denken…in den unzähligen verwinkelten Gassen würde man sich auf jeden Fall verlaufen.

Ob Carlos´Tipp notfalls eine Nebenstraße suchen, um auf eine Hauptstraße zu gelangen, und immer bergab gehen uns im „Notfall“ weitergeholfen hätte?

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Jedenfalls leben in Rocinha offiziell ca. 60T Menschen, inoffiziell sind es mehr als 250T! Des Weiteren, so haben wir es jedenfalls verstanden, ist die Favela komplett selbstorganisiert. Es gibt fließend Wasser, die Wettbüros dienen gleichzeitig als Bank und die Internetnutzung liegt bei geschätzten 95(!) Prozent.

Viele Einwohner (die Meisten) haben keine eigene Adresse, sondern es wird die Adresse angegeben, dessen Haus an einer Hauptstraße liegt – quasi als Sammelstelle für die übrigen Häuser.

Und wer hier als Elektroinstallateur arbeitet und bei solch einem Kabel-Wirrwarr den Durchblick behält, findet sicherlich überall einen Job.

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Carlos hat uns versichert – das funzt ohne Probleme!

Offtopic Fußball: Das die brasilianer fußballverrückt sind ist ja allseits bekannt. Der beste Verein der Welt ist, das könnt ihr jeden Einwohner Rios fragen: Flamengo! So auch für Carlos, der in jedem kurzen Smalltalk darüber gesprochen hat. Dazu muss man wissen das Flamengo zwei Tage zuvor 3:0 gegen Santa Cruz FC gewonnen hat.

Offtopic Serien/Filme: Nachdem wir uns dann über Fuppes ausgetauscht haben, haben wir über Netflix Serien und Filme gesprochen. Also Carlos und Timo. Carlos ist ein Fim- und Serienfreak. Der Film „Cidade de Deus – City of God“ kommt im Übrigen nicht sonderlich gut bei den Bewohnern Rios an. Er ist, und das sagen nicht nur Favela-Bewohner, „lediglich“ ein guter (das darf jeder selbst beurteilen) Actionfilm, der keinesfalls die Wahrheit widerspiegelt.

Zurück zur eigentlichen Tour: Diese sollte ursprünglich 4 Stunden dauern, letztendlich waren es 6 h. Wir waren nämlich noch kurz bei Zezinho zu Hause um seine DJ Schule kennenzulernen…Und zu Sandras Glück 😉 noch seine vier Katzen.

Danach waren wir Essen…irgendwo da oben rechts (siehe Bild) in einem Restaurant mit Buffet.

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Wie so oft in Südamerika, werden die Teller nach Gewicht bezahlt. Ich meine es waren gerade mal 10 argentinische Pesos pro 100 Gramm, also umgerechnet 60 cent / 100g. Und das Essen war super lecker.

Noch ein paar Worte zu Carlos: er ist 22 Jahre, spricht (logischerweise) fließend Portugisisch und Spanisch. Zudem hat er sich Englisch größtenteils selbst beigebracht. Als weitere Fremdsprachen lernt er derzeit chinesisch und deutsch.

Das Geld was er für die Touren verdient, spart er um davon später ein Studium bezahlen zu können. Durch die vielen Touren die er regelmäßig mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern macht, kennt er sich jedefalls überall auf der Welt aus, obwohl er die Favela nicht verlässt (verlassen kann).

Und da zeigt sich doch ein wenig, wenn auch nur im Gespräch, dass die organisierte Kriminalität durchaus existent ist. Er und die anderen Favela-Bewohner, können nämlich nicht ohne Weiteres z.b. in den Stadtteil Santa Teresa, weil dort eine andere „Organisation“ das sagen hat. Sollte das rauskommen, hätte derjenige „ein Problem“.

Dennoch: Einer der besten Tage in Rio, wenn nicht sogar der Beste, war der Besuch von Rocinha. Thanks to Carlos and Zezinho!

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